Seppo trainiert

Die Kurzfassung

(ausführlicher weiter unten)

Seit 2016: Krafttraining

klassisches Hanteltraining
funktionelles Training
Bodyweight-Training
HIIT-Training
Training mit Geräten (z.B. Kraftstation, Kugelhantel, Medizinball, Gymnastikball, Minibarren, Langhantel, Parallettes, Dipstation)
Split- und Ganzkörpertraining
Calisthenics
Trainingsplan-Erstellung

Seit 2015: Sport-Blogs und Social Media

dieLaufeinheit (870 Follower, 30.000 erreichte Menschen)
tacko!Seppo (magazinige Sportseite mit mehr als 3.000 Lesern)
Instagram-Profil: @tackoseppo (rund 8.000 Follower)

Seit 2002: Laufen

mehr als 30.000 Laufkilometer Erfahrung (in klassischen Dauer-, aber auch Sprint- und Intervallläufen)
lauftheoretische Kenntnisse (z.B. „Lauf-ABC“, Laufstile)

 

Die Langfassung: Von der teigigen Kartoffel zum Sportfreak

Was harmlos vor 17 Jahren begonnen hat, ist inzwischen meine Leidenschaft geworden, die sich am Rande der Obsession bewegt! War ich bis zu meinem 21. Lebensjahr etwas, das ich schonungslos als „teigige Kartoffel“ beschreiben würde, bin ich heute nahezu das Gegenteil, wobei es schwierig ist, das Gegenteil einer Teigkartoffel zu benennen – also bemühe ich den Begriff der Körpertransformation, der ich mich vor allem seit 2016 unterziehe (in Abgrenzung jedoch zum Bodybuilding).

Zunächst aber entdeckte ich den Laufsport für mich, der mir zeigte, was Kondition wirklich bedeutet. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Lauf um den Münsteraner „Steinersee“ mit seinem Umfang von noch nicht einmal zwei Kilometern. Doch selbst diese kurze Strecke hatte mich damals überfordert: Schon auf der Hälfte gab ich mich geschlagen, sodass mir der idyllisch daliegende See meine viel zu nahe Leistungsgrenze aufzeigte, mich aber auch motivierte! Erstmals in meinem bis dato übersichtlichen Leben spürte ich so etwas wie Sportsgeist!

Es dauerte nur wenige Wochen, bis ich den See bezwang; nicht nur ein Mal umrundete, nein, ich steigerte mich auf mehr als zehn Umrundungen! Meine Leidenschaft für das Laufen war voll entfacht und bis heute, weit mehr als 30.000 Laufkilometer später in mehr als 3.500 Läufen, gehört das Laufen fest zu meinem Alltag und zu meiner Person.

Und ich weiß, was ich da tue: Lauf-Skeptiker (meist Menschen, die nicht laufen) warnen mich noch heute vor den Gefahren des Laufsportes! Laufen schade doch den Gelenken und ruiniere die Knie! Davon abgesehen, dass es medizinisch ohnehin eindeutig belegt ist, dass Laufen gerade für die Knie gut ist, weiß ich auch aus eigener Erfahrung, woher dieses Vorurteil rührt: aus dem in aller Regel falschen Laufstil, den besonders Hobbyläufer, aber auch manch Profis!, an den Tag legen. Als ich nach zwölf Jahren des Laufens erstmals Knieprobleme bekam, machte ich mich schlau und eignete mir bis heute ein enormes Maß an lauftheoretischem Wissen an. Dieses führte 2013 dazu, dass ich von einen auf den anderen Tag meinen Laufstil vom schädlichen Fersen- auf den Vorfußlauf umstellte. Kurzfristige Folge war ein Muskelkater in den Waden ungeahnten Ausmaßes, der mich zeitweise zur Bettlegrigkeit verdammte. Doch ebenso kurzfristig verschwunden waren meine Knieprobleme, während ich bis heute beschwerde- und verletzungsfrei laufe – dem Vorfuß sei Dank, der das dem Menschen angeborene, aber zivilisatorisch abtrainierte natürliche Laufen ermöglicht: Nicht die Knie dämpfen den Aufprall beim Laufen, sondern die, die dafür gemacht sind: die Füße. Ohnedies ist der Mensch von jeher ein Läufer, er hat es nur verlernt. Doch gerade die langen Strecken liegen dem einstigen Jäger und Sammler. – Der Vorfußlauf, er ist mein Lebensthema im Laufsport!

Lange blieb es beim bloßen Laufen, bis ich mir 2008 Hanteln schenken ließ. Ein Paar. Es war der zaghafte Beginn meines Krafttrainings. Und ich hatte mir viel Zeit gelassen, alles dabei falschzumachen. Ich dachte, es reiche, die Gewichte hoch- und wieder runterzubewegen, um dann irgendwann so etwas wie Muskeln zu bekommen. Ich garnierte das Hanteln mit Crunches und Liegestützen und schaffte – ich lüge nicht – pro Tag 1.000 Stück. Von beidem. Klingt beeindruckend, ist es aber gar nicht. Und vor allem ist es grundfalsch. Wer 1.000 Crunches schafft, der mag eine ganz gute muskuläre Ausdauer besitzen, doch ein Sixpack bekommt davon niemand. Dasselbe gilt für Liegestützen: Toll, wenn man 1.000 schafft, aber Muckis wachsen davon nicht. Im Gegenteil, man langweilt den Körper damit, unterfordert ihn auf Dauer und schon befindet man sich weit außerhalb einer Superkompensation.

Nach und nach tat ich das, was schon beim Laufen funktioniert hatte, ich schaffte mir Wissen drauf. Noch heute besorge ich mir praktisch wöchentlich neue Lektüre zur Sporttheorie. Denn die abgedroschene Phrase, man lerne nie aus, stimmt. Aktuell (April 2019) stelle ich beispielsweise mein Core-Training komplett um, verzichte auf nutzlose Crunches und Sit-ups, die meist wirkungslos sind, und lege den Schwerpunkt auf isometrische Übungen, die gerade im Bereich der Bauchmuskulatur als hocheffizient gelten, folgt man neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das übrigens sollte man nie blind tun – doch das Ausprobieren ist im Sport immer wünschenswert, um sich selbst ein Bild von den neuesten Trends machen zu können.

Vor drei Jahren, 2016 also, hob ich mein bis dahin klägliches Krafttraining auf ein neues Level. Ich setzte mich intensiv mit der Erstellung von Trainingsplänen auseinander, da auch ich endlich gemerkt hatte, dass jene vorgefertigten aus Büchern und Magazinen dem Individuum nie gerecht werden können. Denn die Kunst, das Handwerk, liegt ja darin, in der Lage zu sein, sich selbst Trainingspläne zu bauen. Und wer richtig trainiert, der hat keinen Trainingsplan mehr vor sich liegen, sondern er hat ihn in seinem Kopf: Alles, was schriftlich geschieht, ist dann die notwendige Trainingsdokumentation.

Wie es jedem Anfänger zu empfehlen ist, begann ich mit einem Ganzkörpertraining, um mir eine Grundfitness aufzubauen. Das geschah noch zu einem Zeitpunkt, als mein soziales Umfeld mich mit Sport so gar nicht in Verbindung gebracht hatte. Eher war das Gegenteil der Fall: Man hat es mir schlicht nicht geglaubt, mich für einen Angeber gehalten. Wie sooft im Leben lacht einer immer zuletzt: Dieses Mal bin ich das. Denn nachdem die Grundfitness vorhanden war, stieg ich ins Splittraining ein und inzwischen trainiere ich im Zweiersplit (April 2019). Das Angeben mit meinen Fortschritten habe ich mir verdient!

Wer sich im Sport Ziele setzt und diese erreicht, der überträgt diese Erfolgserfahrung auch auf andere Lebensbereiche. Der Sport lehrt, Ziele nicht nur zu setzen, sondern sie auch zu erreichen. Das ist Teil meiner Philosophie, an die ich fest glaube. Es geht im Krafttraining wider alle Klischees eben nicht nur um den körperlichen Aspekt und die Optik, es geht um so vieles mehr, was aber nur derjenige erfährt, der Sport auch als Lebenseinstellung begreift. Nicht nur der Körper betreibt diesen Kraftsport, der Geist trainiert mit. Klingt pathetisch, ist aber so. Und so komme auch ich nicht mehr umher, das Belächeln durch andere als völlig belanglos und irrelevant hinzunehmen.

Inzwischen habe ich mir das Wissen draufgeschafft, das ich brauche, um gezielt zu trainieren. Ich weiß um die Vor- und Nachteile des besagten Splittrainings und ergänze es auch deshalb um funktionelles Training oder Bodyweight-Workouts. Dass ein ausgeprägter Bizeps beispielsweise eines Profi-Bodybuilders nichts mit entsprechender Kraft zu tun hat, ist mir inzwischen vollkommen klar, unterscheide ich doch zwischen den verschiedenen Motiven des Kraftsportes: Muskelausdauer, -wachstum (Hypertrophie) und Maximalkraft. Jedes muss anders trainiert werden. Und ich werde nicht müde, Leuten zu erklären, warum Kraftsport nicht gleich Bodybuilding ist, zumal ich auf natural training setze, was eigentlich klar sein sollte. Jede neue körperliche Fähigkeit, jede Leistungssteigerung soll hart erarbeitet worden sein!

Im Kraftsport ist es sehr wichtig, offen zu bleiben, um nicht in ein monotones Training zu verfallen, das eher zu Rück- als zu Fortschritten führt. Und so verändern sich auch immer ein wenig die eigenen Ziele. Stand früher Muskelaufbau bei mir im Vordergrund, ist es heute das Erhalten von Beweglichkeit bei gleichzeitigem Erreichen neuer mobility! Deshalb habe ich im vergangen Jahr Calisthenics für mich entdeckt. Mit 38 Lebensjahren vielleicht 20 Jahre zu spät, aber ich nehme in Kauf, dass alles altersbedingt etwas länger dauert! Was Kinder innerhalb von Tagen schaffen – den freien Handstand – hat bei mir 97 Handstand-Trainingstage gedauert! Und noch immer kämpfe ich seit Monaten darum, die planche zu meistern! Es wird der Tag kommen, an dem ich sie schaffe. Und es spielt keine Rolle, ob ich dann 42 bin – oder 50 … Denn es zählt ohnehin immer der Weg im Kraftsport. Macht der keinen Spaß, ist Kraftsport der falsche Sport. Sport kann nur in Abwesenheit des inneren Schweinehundes maximale Erfolge bringen.

Meine Wohnung ist inzwischen zu einem Fitnessstudio mutiert. Ich lebe zwischen klassischen Hanteln und Kugelhanteln, bin umgeben von Medizinbällen, Minibarren, Dipstationen und TRX-Bändern. Langhantel, Kraftstation, Liegestütz-Griffe und Biegehanteln sind selbstverständlicher Teil des Wohnzimmers geworden. Meine Freundin ist begeistert!

Kraftsport muss mit Lust betrieben werden, mit Leidenschaft. Ein Tag ohne Sport fühlt sich für mich inzwischen mehr als befremdlich an, er fühlt sich falsch an. Sport muss selbstverständlicher Teil der persönlichen Lebensführung sein, er darf nicht Zwang werden. Dass ich um vier Uhr morgens aufstehe, um Kraft- und Laufsport im Tag unterzubringen, ist keine Seltenheit. Und für mich schon lange keine Besonderheit mehr. Bei Instagram umtriebig als @tackoseppo folge ich Gleichgesinnten und stellte irgendwann einmal angesichts eines Sportfreundes fest: „Ach guck, der steht allen Ernstes auch um vier Uhr morgens im Fitnessstudio! Ich bin nicht allein!“

Kraftsport hat, richtig betrieben, unzählige positive Auswirkungen auf unseren Körper. Und auf die Seele. Kraftsport härtet ab, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich!